Heute musste durfte ich mich zur Einstellungsuntersuchung für den Zivildienst begeben. Zuerst durfte ich dazu durch die ganze Stadt einmal von Süden nach Norden mit dem Bus fahren, was dank Verspätung knappe 50 Minuten gedauert hat. Endlich beim Arzt angekommen hieß es erst mal Schlange stehen, das war schlimmer als in einem Supermarkt zur Haupteinkaufszeit. Endlich einmal bei der Anmeldung angelangt und das Sprüchlein aufgesagt gab es nahezu kommentarlos einen Becher der schnell von Hand mit dem Namen beschriftet wurde. „Urinprobe, Toiletten sind da hinten, beim Waschbecken ist eine Durchreiche, da stellen sie das rein wenn sie fertig sind.“ Ja, warum eigentlich auch nicht. Auf der Toilette ging der Spaß dann weiter, es herrschten Zustände wie man sie sonst nur gerüchteweise von Frauentoiletten während Theater-/Konzert-/Kinopausen gewohnt ist. Zwei Toiletten für gefühlte 50 Leute, die alle ihre Urinprobe abgeben sollten.
Da kam mir zu ersten Mal der Gedanke, dass der Arzt nichts anderes macht, als Zivildienstleistende auf ihre Tauglichkeit zu untersuchen, ich habe mich wie Schlachtvieh in einem überfüllten Mastbetrieb gefühlt. Nachdem dann endlich das Becherchen gefüllt war und seinen Weg durch die Durchreiche gefunden hatte durfte ich mir einen Platz im vollkommen unterdimensionierten und überfüllten Wartezimmer erkämpfen. Mir kamen Bilder von Geflügelaufzuchten in den Sinn, wo Millionen von Tieren auf engstem Raum zusammengepfercht werden. Die Wartenden mussten teilweise stehen oder auf den nicht sonderlich vertrauenserweckenden Kinderstühlen Platz nehmen. Hier habe ich dann auch zum ersten Mal eine andere Gattung außer den Zivildienstleistenden kennengelernt. Es kommen also doch auch normale Menschen zu diesem Arzt. Nur… wieso tun sie sich das an?
Nach der Ankunft im Zwischenlager hieß es dann erst einmal Zeit vertreiben. Immerhin lagen einige interessante Zeitschriften aus, der Mann weiß wohl recht gut über seine Patienten Bescheid, denn anders als sonst bei Ärzten üblich lagen da weder „Die Bunte“, „Frau im Spiegel“ oder was weiß ich da rum, sondern ausnahmslos Auto-/Fußball- und sonstige Sportzeitschriften. Zivildienstuntersucher halt…
Das warten wurde durch einen kurzen Aufruf unterbrochen: Auf zur nächsten Verarbeitungsstufe, Sehtest, Blutdruck prüfen lassen und zwei lapidare Fragen nach dem Beruf und der Größe beantworten. Man wurde nicht mal gemessen sondern musste seine Größe selbst angeben, Fließbandarbeit nach Maß, hauptsache, das Wartezimmer wird leer. Als ich natürlich zurück in selbiges kam, war mein Platz weg und ich durfte der Stehlampe Gesellschaft leisten. Wie nutzt man die Zeit am Besten? Genau, in dem man ausführlichst eine Karte über die Zeckengefahrengebiete in Deutschland und Europa studiert. Um ehrlich zu sein ist davon allerdings nicht viel hängen geblieben, da immer auch die Sitzplätze im Auge behalten werden wollten, wenn man einen der gerade freigewordenen ergattern wollte. Höchste Konzentration war da gefordert in diesem wahnsinnig intensiven Konkurrenzkampf, mit natürlicher Selektion hatte das schon nichts mehr zu tun.
Die finale Abschlussuntersuchung beim Arzt selbst war dann noch lächerlicher als die kurze Unterbrechung vorher. Ein Fragebogen, der in einem Affenzahn abgearbeitet wurde: „Nehmen sie Drogen/Alkohol/Medikamente/…“ – „Nein (mindestens fünfzehnmal wiederholt)…“ „Gut, dann sind sie gesund und berechtigt, Zivildienst zu leisten, auf Wiedersehen“. Dieses Wiedersehen kann ich mir sparen, ich bin nicht scharf darauf, noch einmal in diese Fließbandklinik zu gehen, in der Zeit alles ist. Der Mann hat mir nicht mal richtig in den Mund geleuchtet, um dadrin was zu erkennen, nachdem er mir diesen alten Eisstiel oral eingeführt hat…
Insgesamt war ich mit Fahrt und allem gute 3 Stunden unterwegs, die effektive „Untersuchungszeit“ hat hingegen höchstens 5 Minuten gedauert. Danke für diesen versauten Vormittag…