Archiv für März 2008

Blutrache

orcEntschuldigung, dass ich schon wieder so etwas wie eine Buchkritik schreibe, aber es sind nun mal Ferien und da hat man eben die Zeit, sich mit einem Buch zurückzuziehen und zu lesen. „Die Orks – Blutrache“ ist laut Cover „Die Fortsetzung des Bestsellers Die Orks und den Meinungen verschiedener Autoren auf der Rückseite irgendwo zwischen „grandios“, „furios“ und „spaßig“ einzuordnen. Das klingt doch mal nach ordentlicher Unterhaltung.

Leider kann das Buch in keinster Weise mit seinem großen Vorgänger mithalten. Es fängt schon beim Äußeren an, hier ist das Buch nur in etwa halb so dick wie „Die Orks“ oder ähnliche Bücher aus dem Genre. Das hat in meinen Augen zweierlei Gründe. Der erste wäre der mehr als miserable Stil, in dem es geschrieben ist. Wo der erste Teil noch durch wundervolle Satzstrukturen, eine bildreiche und mitreißende Sprache glänzte, ist der Nachfolger nicht mehr als eine lieblose Aneinanderreihung simpelster Sätze, die sich stark an die Ausgabe der Wikipedia in „Simple English“ anzulehnen scheint. Da hat es der Übersetzer wohl etwas zu genau genommen mit dem Versuch, sich an der Vorlage zu orientieren. Insgesamt kommt irgendwie kein Lesefluss auf, die meisten Sätze scheinen aufzuhören, bevor sie überhaut richtig angefangen haben, auf beschreibende Adjektive wird weitestgehend verzichtet und auch die Wortwahl befindet sich eher auf Grundschulniveau. Umso verwirrender ist es dann, wenn der Anführer einer Horde kriegslustiger Orks auf einmal Wörter wie „Nichtkombattant“, „Usurpator“ oder „Insubordination“ verwendet, die irgendwie Fehl am Platz erscheinen und im krassen Gegensatz zum sonstigen Stil stehen. Auch wenn sich ihre Bedeutung aus dem Zusammenhang ableitet, hätte man durch einfache deutsche Wörter wie Besatzer/Unterdrücker für Usurpator (vielleicht nicht korrekt übersetzt, aber treffend) oder Ungehorsam statt Insubordination das Textverständnis doch erheblich vereinfachen können. Aber das Wörterbuch ist dein Freund und der erste Treffer passt immer…

Ganz und gar nicht passt das Ende des Buches: Wo andere Bücher erst anfangen, hört dieses hier einfach auf. Wenn ich mich letztens noch darüber beschwert habe, dass die Enden in Büchern viel zu oft verkümmert sind, so schießt „Blutrache“ eindeutig den Vogel ab indem das Ende einfach zu fehlen scheint. Der finale Konflikt findet zwar statt (die stümperhafte Hinführung lasse ich mal außen vor), aber zu einem wirklichen Ende kommt es nicht. Stattdessen wurde wohl alles auf einen (geplanten?) weiteren Teil vertagt, in dem die Geschichte einfach ihre Fortsetzung finden kann. Als abgeschlossen kann man die „ultimative Herausforderung“ (Klappentext) nämlich in keinster Weise betrachten, so gut wie sämtliche Aufträge blieben unvollendet, Personen, die wichtig schienen, traten nur am Rande auf und wurden der ihnen wohl zugedachten Rolle in keinster Weise gerecht, mühsam aufgebaute Charaktere verblassten hinter dem abgehackten Ende und der Konflikt innerhalb der Truppe endet genauso abrupt wie das Buch selbst. Das auf den letzten Seiten noch Verrat und Misstrauen thematisiert werden, ist dem gesamten Spannungsbogen höchstens in Hinblick auf eine Fortsetzung zuträglich.

Gut, wenn das Buch so geplant ist wie der Vorgänger, der eine komplette Trilogie in einem Band darstellt, mag es ein netter Anfang sein, aber als vollwertiges Buch kann man „Blutrache“ einfach nicht für vollnehmen. Nebenbei frage ich mich gerade, wieso der Titel überhaupt Blutrache lautet. Das Blut floss zwar in Strömen, dafür verbarg sich mir teilweise die Logik. Wie kann es sein, dass ein Orkheer von 90 Leuten nach gefühlten 10 Siegen pro Person immer noch gegen ein ursprünglich 200 Mann zählendes Menschenheer in Unterzahl ist und fliehen muss? Wieso kämpft ein Zwerg mit einem beschwerten Stab und wieso sind die Orks wandelnde Waffenlager, die vor lauter Stahl gar nicht mehr laufen können dürften? Aber das beste: Wie kommt es, dass der Autor jedes Mal betont, dass die Gegner im Nachteil wären, weil sie mit Wut im Bauch kämpfen, es aber durch ihre „Geschicklichkeit“ schaffen, die Orks ebenfalls in Wut zu versetzen, woraufhin diese besser werden und die Oberhand über die Gegner erlangen? Ich dachte, das Buch hätte mir suggeriert, Wut wäre ein schlechter Kampfgefährte…

Insgesamt hätte man die knapp 5 Stunden Lesezeit auf jeden Fall besser verwenden können, und sei es auch nur mit Schlafen.

Elfenlicht

dancing fairiesWieso ich mich dazu hinreißen lasse, eine Buchkritik zu schreiben? Nun, einerseits weil ich mich hier schon länger nicht mehr zu Wort gemeldet habe und andererseits um einen in meinen Augen argen Missstand im Buchwesen zu kritisieren. Außerdem ist es eine nette Entschuldigung, den ganzen trostlosen Schulbüchern zu entgehen, die meinen Schreibtisch zu Hauf bevölkern und beachtet werden wollen.

Zum Inhalt des Buches werde ich mich hier allerdings nicht äußern, wer darüber was erfahren will, hat im Internet genug Möglichkeiten (z.B. hier) oder kann sich ganz einfach das Buch kaufen und selbst lesen, eine Handlung die in unserem virtuellen Zeitalter scheinbar immer mehr in Vergessenheit gerät. Und an sich macht man damit überhaupt nichts falsch, denn, wenn man nichts gegen das Thema Fantasy oder Elfen hat, erhält man ein wundervoll und spannend geschriebenes Buch, das mehrere Handlungsstränge geschickt miteinander verknüpft und schließlich zusammenführt. Sprachlich spielt das Buch also auf einem ganz hohen Niveau mit, ohne dabei unverständlich oder kompliziert zu wirken.

Doch alles hat einen Haken, so auch dieses Buch. Damit komme ich auf den in der Einleitung beschriebenen Missstand zu sprechen (irgendwie sieht das Wort mit den drei „s“ schrecklich aus): Das Buch hat 926 Seiten, genug Platz also, um schön die Handlung aufzubauen, das Problem und den Konflikt herauszuarbeiten, auf einen Höhepunkt zu steigern um schließlich alles logisch und in Ruhe aufzulösen (Vgl. Aufbau eines Dramas nach Gusta Freytag). Doch Pustekuchen, da wird gefühlte 900 Seiten die gesamte Problematik in allen Einzel- und Feinheiten aufgebaut, erläutert und entwickelt nur um auf den letzten 20 Seiten abrupt ein mehr als unbefriedigendes und undurchdachtes Ende zu finden. Das ganze vorher so mühsam aufgebaute Konstrukt fällt auf wenigen Seiten in sich zusammen, die Logik kommt dabei abhanden und als Leser fühlt man sich irgendwie verarscht. Fängt man ab Seite 800 bei Betrachtung der noch ausstehenden Seiten langsam an, sich zu fragen, wie die Geschichte ausgeht, denkt man sich ab der 850. Seite, dass es langsam eng wird und das Ende doch mal anfangen sollte, ab Seite 900 wird’s dann schon knapp und ehe man sich versieht ist das Buch dann auf Seite 909 schon zu Ende, die letzten Seiten bis 926 sind nämlich nur Anhang. Aber Hauptsache man hat sich irgendwie das Happy End zurecht geschustert.

Wie kommt es, dass bei Büchern immer am Ende gespart wird? Auf Dauer vergeht einem die Lust am Lesen, wenn so etwas immer wieder geschieht. Man lässt sich auf das Buch, auf die von ihm geschaffene Welt, ein, verfällt seiner Logik und dem Gedankengang. Doch anstatt in dieser Logik zu bleiben und Rücksicht auf den Leser zu nehmen, wird dieser innerhalb weniger Seiten abrupt in die Realität zurückgerissen, wie ein Schlafwandler, den man im Flur stehend weckt, der selbst aber denkt, sich in seinem Bett zu befinden. Woran auch immer es liegen mag, dass bei vielen Büchern das Ende den Anschein erweckt, als hätte der Autor auf einmal keine Lust mehr gehabt und wolle das Buch einfach nur noch fertig bekommen, ist es doch schade, dass eben diese Tatsache den Gesamteindruck eines Buches so stark zu trüben vermag. Ein Buch kann noch so fesselnd und toll geschrieben sein, es ist das Ende, welches man als letztes mitbekommt und welches nachträglich den Gesamteindruck mitprägt. Solch ein abgehacktes Ende trübt eben diesen und hinterlässt stattdessen ein schales Gefühl und irgendwo auch das Gefühl, als Leser nicht richtig ernstgenommen zu werden. Lesen ist Unterhaltung, soll Spaß machen, doch wo ist der Spaß, wo die Unterhaltung, wenn das spannendste Buch innerhalb von 5-10 Seiten ein hastig dahingeschmiertes Ende aufweist, dass alles, was vorher mühevoll aufgebaut wurde in Bruchteilen von Sekunden vernichtet? Ich finde sowas immer wieder schade…

Aber nun heißt es für mich zurück zu anderen Büchern, die mich wenig mitreißen, mich allerdings mit ihrer erdrückenden und vor allem durchgehenden Logik in den Wahnsinn zu treiben versuchen. Gemeint sind Mathematik- und, hauptsächlich, Physikbücher. Zeit zu lernen, will man das Abitur ordentlich bestehen. Wenn es nur nicht so schwer wäre, den immer wieder auftauchenden Ablenkungen nachzugeben…

Ticking Away

project Pink Floyd

Ticking away the moments that make up a dull day
You fritter and waste the hours in an offhand way

Die Zeit rast, dabei kommt es mir gar nicht so vor. Die letzte Woche verging fast in dem Moment, wo einem bewusst wurde, dass sie da ist. Und nun heißt es nur noch 9 Tage Schule, der Countdown hat längst begonnen. Selbst die Ferien stehen bereits vor der Tür, dabei erschienen sie mir vor Kurzem noch so weit weg.

9 Tage, Tage, in denen man zum letzten Mal das Etablissement Schule besucht, zum letzten Mal die Lehrer sieht und leider auch zum letzten Mal einen Großteil der Stufenkameraden oder wie man sie auch immer nennen mag. Okay, man sieht sich danach sicher noch mal, zumindest am Abiball und der Ausgabe der Abiturzeugnisse. Aber dann? Einen Großteil derer, an die man sich in gut 9 Jahren gewöhnt hat, die man teilweise nicht mehr missen möchte, sieht man einfach so bald nicht wieder. Das geregelte Wiedersehen verschwindet genauso wie der bis dato geregelte und zugegebenermaßen alles andere als anstrengende Tagesablauf.

So sehr man als Schüler auch auf die Schule schimpfen mag und sich nichts sehnlicher wünscht, als das rasche Ende der Schulzeit, so kommt jetzt doch langsam die Wehmut, die die Erinnerung an eine beschwingte Schulzeit mit sich bringt. Schade, dass sich alles dem Ende zuneigt…

Every year is getting shorter, never seem to find the time
Plans that either come to naught or half a page of scribbled lines

Emma

Orkan EmmaAnknüpfend an den letzten Beitrag über das Wetter hier gleich der nächste. Der ein oder andere wird die unbeständige Wetterlage der letzten Tage sicherlich mitbekommen haben, die meisten dürften auch den Grund dafür kennen: der Orkan Emma. Nicht so stark wie Kyrill letztes Jahr, aber immerhin stark genug, um Schäden in Millionenhöhe zu verursachen. Und natürlich auch gut, um das Wetter wieder ordentlich durcheinander zu bringen. Man steht morgens bei strahlendem Sonnenschein auf, frühstückt bei grauem Himmel und fährt bei Regen zur Schule. Auf dem Rückweg wechseln sich dann wieder Sonne und Regen ab und am Nachmittag hagelt und schneit es plötzlich, nur damit kurz darauf wieder die Sonne scheint. Ganz zu schweigen vom Wind, der es mal warm, mal kühl sein lässt, je nachdem ob und wie stark er weht. Aprilwetter und ein Halbwinter im März, wieso nicht…

Aber am brennendsten dürfte einen sicherlich die spannende Frage quälen, die Herr Kachelmann gestern bei der Wettervorhersage gestellt hat: Wieso landete dieses Flugzeug auf der Landebahn, auf der die Seitenwindkomponente 70° betrug und nicht auf der anderen, wo es nur 30° waren? Man könnte natürlich den Fluglotsen fragen, aber dann wäre die Sache zu schnell geklärt und man hätte doch nur wieder über das Wetter reden können…

Nachtrag:
Die Sache mit dem Flugzeug beschäftigt die Leute wohl doch mehr, als ich gedacht hätte


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