Entschuldigung, dass ich schon wieder so etwas wie eine Buchkritik schreibe, aber es sind nun mal Ferien und da hat man eben die Zeit, sich mit einem Buch zurückzuziehen und zu lesen. „Die Orks – Blutrache“ ist laut Cover „Die Fortsetzung des Bestsellers Die Orks„ und den Meinungen verschiedener Autoren auf der Rückseite irgendwo zwischen „grandios“, „furios“ und „spaßig“ einzuordnen. Das klingt doch mal nach ordentlicher Unterhaltung.
Leider kann das Buch in keinster Weise mit seinem großen Vorgänger mithalten. Es fängt schon beim Äußeren an, hier ist das Buch nur in etwa halb so dick wie „Die Orks“ oder ähnliche Bücher aus dem Genre. Das hat in meinen Augen zweierlei Gründe. Der erste wäre der mehr als miserable Stil, in dem es geschrieben ist. Wo der erste Teil noch durch wundervolle Satzstrukturen, eine bildreiche und mitreißende Sprache glänzte, ist der Nachfolger nicht mehr als eine lieblose Aneinanderreihung simpelster Sätze, die sich stark an die Ausgabe der Wikipedia in „Simple English“ anzulehnen scheint. Da hat es der Übersetzer wohl etwas zu genau genommen mit dem Versuch, sich an der Vorlage zu orientieren. Insgesamt kommt irgendwie kein Lesefluss auf, die meisten Sätze scheinen aufzuhören, bevor sie überhaut richtig angefangen haben, auf beschreibende Adjektive wird weitestgehend verzichtet und auch die Wortwahl befindet sich eher auf Grundschulniveau. Umso verwirrender ist es dann, wenn der Anführer einer Horde kriegslustiger Orks auf einmal Wörter wie „Nichtkombattant“, „Usurpator“ oder „Insubordination“ verwendet, die irgendwie Fehl am Platz erscheinen und im krassen Gegensatz zum sonstigen Stil stehen. Auch wenn sich ihre Bedeutung aus dem Zusammenhang ableitet, hätte man durch einfache deutsche Wörter wie Besatzer/Unterdrücker für Usurpator (vielleicht nicht korrekt übersetzt, aber treffend) oder Ungehorsam statt Insubordination das Textverständnis doch erheblich vereinfachen können. Aber das Wörterbuch ist dein Freund und der erste Treffer passt immer…
Ganz und gar nicht passt das Ende des Buches: Wo andere Bücher erst anfangen, hört dieses hier einfach auf. Wenn ich mich letztens noch darüber beschwert habe, dass die Enden in Büchern viel zu oft verkümmert sind, so schießt „Blutrache“ eindeutig den Vogel ab indem das Ende einfach zu fehlen scheint. Der finale Konflikt findet zwar statt (die stümperhafte Hinführung lasse ich mal außen vor), aber zu einem wirklichen Ende kommt es nicht. Stattdessen wurde wohl alles auf einen (geplanten?) weiteren Teil vertagt, in dem die Geschichte einfach ihre Fortsetzung finden kann. Als abgeschlossen kann man die „ultimative Herausforderung“ (Klappentext) nämlich in keinster Weise betrachten, so gut wie sämtliche Aufträge blieben unvollendet, Personen, die wichtig schienen, traten nur am Rande auf und wurden der ihnen wohl zugedachten Rolle in keinster Weise gerecht, mühsam aufgebaute Charaktere verblassten hinter dem abgehackten Ende und der Konflikt innerhalb der Truppe endet genauso abrupt wie das Buch selbst. Das auf den letzten Seiten noch Verrat und Misstrauen thematisiert werden, ist dem gesamten Spannungsbogen höchstens in Hinblick auf eine Fortsetzung zuträglich.
Gut, wenn das Buch so geplant ist wie der Vorgänger, der eine komplette Trilogie in einem Band darstellt, mag es ein netter Anfang sein, aber als vollwertiges Buch kann man „Blutrache“ einfach nicht für vollnehmen. Nebenbei frage ich mich gerade, wieso der Titel überhaupt Blutrache lautet. Das Blut floss zwar in Strömen, dafür verbarg sich mir teilweise die Logik. Wie kann es sein, dass ein Orkheer von 90 Leuten nach gefühlten 10 Siegen pro Person immer noch gegen ein ursprünglich 200 Mann zählendes Menschenheer in Unterzahl ist und fliehen muss? Wieso kämpft ein Zwerg mit einem beschwerten Stab und wieso sind die Orks wandelnde Waffenlager, die vor lauter Stahl gar nicht mehr laufen können dürften? Aber das beste: Wie kommt es, dass der Autor jedes Mal betont, dass die Gegner im Nachteil wären, weil sie mit Wut im Bauch kämpfen, es aber durch ihre „Geschicklichkeit“ schaffen, die Orks ebenfalls in Wut zu versetzen, woraufhin diese besser werden und die Oberhand über die Gegner erlangen? Ich dachte, das Buch hätte mir suggeriert, Wut wäre ein schlechter Kampfgefährte…
Insgesamt hätte man die knapp 5 Stunden Lesezeit auf jeden Fall besser verwenden können, und sei es auch nur mit Schlafen.

