Kann man Chaos ordnen, kann man Struktur in etwas bringen, was so frei von jedem System und jeder Logik ist? Nun, der Mensch versucht es zumindest, im Kleinen wie im Großen. Die Theoretiker packen das Leben in Formeln, die Normalsterbliche nur schwer oder gar nicht verstehen. Einstein suchte nach einer Weltformel und stellte die Relativitätstheorie auf. Mit seinen Errungenschaften lässt sich für den, der es versteht, das Universum erklären, Ordnung in dieses Chaos bringen. Ein Chaos ist es zweifelsohne, Milliarden von Sternen, verteilt auf einen unvorstellbar riesigen Raum. Im Kleinen erscheint das All noch verständlich, nehmen wir zum Beispiel unser Sonnensystem: Die Sonne im Mittelpunkt und um sie herum, auf festen Bahnen, die Planeten. Aber auch diese Ordnung, diese Auffassung, war nicht immer gegeben. Früher sah sich der Mensch mit der Erde im Mittelpunkt des Sonnensystems, alle andere Himmelskörper drehten sich um die Erde. Ein Beweis für die egozentrische Wahrnehmung des Menschen, getreu dem Motto „Ich denke, also bin ich“, in diesem Fall denke ich und alles andere, was da draußen ist, denkt nicht, wieso sollte es sich nicht um mich drehen, ich bin fähig zu denken, dem anderen überlegen, ich bin die Krönung, das Zentrum von allem. Falsch gedacht, inzwischen weiß man, dass die Erde nur einer unter vielen Planeten ist, die sich um die Sonne drehen. Und auch andere Phänomene außerhalb unseres Sonnensystems lassen sich mit Formeln und Gedankenspielen erklären.
Doch versagt dieser Versuch einer Ordnung im Kleinen, die Regeln und Gesetze, die im Großen gelten, haben für den Mikrokosmos keinerlei Bedeutung, sind null und nichtig. Neue Gesetze müssen her, um neue Phänomene zu erklären, neue Regelmäßigkeiten und Normen, an denen der Mensch in seinem Wunsch nach Ordnung festhalten kann. Trotz aller Versuche scheitert er im Kleinen, die Quantenphysik kann beschreiben, was passiert, aber selbst hier bleibt eine eindeutige Aussage aus, es gibt nur Vermutungen und Unwissenheit (Vgl. Schrödingers Katze).
„Wenn man die Natur einer Sacher verstanden hat, wird diese berechenbar.“ Aber warum strebt der Mensch nach Ordnung, will alles planen, über alles informiert sein, versucht, Ordnung in das Chaos Leben zu bringen? Dieses unglaubliche Kontrollbedürfnis, mag es seine Ursache in dem oben erwähnten egozentrischen Weltbild oder in etwas vollkommen anderem haben, ist zum Scheitern verurteilt. Eine vollständige, dem Ordnungsbedürfnis genügende Erklärung wird es nicht geben. Weder die Naturwissenschaften noch die Religion sind in der Lage, alle Phänomene zu beschreiben und zu erklären, es wird immer das Ungewisse geben, alles wird immer ein Stück weit Chaos bleiben, mag es noch so gut erforscht sein. Die Natur ist ein großes Rätsel und der Mensch steht nicht einmal am Anfang, sie zu verstehen und doch versucht er, ihr seinen Stempel aufzudrücken in dem er sie ordnet und in Schachteln steckt. Warum nicht in dem Chaos leben und sich von dem, was kommt, überraschen lassen, anstatt alles zu planen und die Ungewissheit, die Vorfreude auf Neues zu zerstören?